Heide Simonis erklärt Rücktritt:
02.02. - "In intensiven Gesprächen mit zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an fünf verschiedenen Orten der Republik haben die Vorsitzende von UNICEF Deutschland, Heide Simonis, und der Geschäftsführer, Dr. Dietrich Garlichs, im Laufe dieser Woche Stellung genommen zu den gegen UNICEF erhobenen Vorwürfen.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zeigten sich sehr betroffen darüber, dass von der KPMG-Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Verstöße gegen bestehende Regeln der Vergabe, Durchführung und Kontrolle von Transaktionen festgestellt wurden, was nicht den Prinzipien einer ordnungsgemäßen Verwaltung entspricht. Sie äußerten den Wunsch nach erhöhter Transparenz bei den Vermögensbeständen und Spendeneingängen und nach verschärfter Kontrolle der Geschäftsvorgänge bei UNICEF Deutschland. Im Einzelnen wurden Forderungen diskutiert, die wie folgt zusammengefasst werden können:
1. Erarbeitung eines neuen Leitbildes:
- wo stehen wir?
- wie sehen wir uns?
- wie wollen wir von anderen gesehen werden?
- wollen wir als normales Unternehmen agieren oder sind wir eine besondere Organisation mit moralischen und ethischen Ansprüchen?
2. Änderung der Satzungen von Verein und Stiftung; feste Begrenzung der Mandatszeiten
3. Formulierung der Ziele durch aktive Kommunikation von unten nach oben
4. Verbesserung der Informationen an haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter/innen und an die Öffentlichkeit
5. Einrichtung der Funktion eines „Ombudsmanns“ – und Neufassung des Instrumentariums der Personalführung
6. Sachgerechte und korrekte Ausweisung des Vermögens und Vermeidung jedweder Interessenkollision; Reduzierung des Verwaltungskostenanteils
7. Herstellung völliger Transparenz des Spendenaufkommens und der Projektabwicklung; grundsätzlich schriftliche Vertragsabschlüsse
8. Stärkung des Controlling von Abläufen, Budget, G+V-Rechnung; spezielles Vertragscontrolling
9. Gründliche interne Erörterung eines jeden Beratervertrages; strikte Anwendung des „Vier-Augen-Prinzips“
10. Ergänzung der Reformen aufgrund weiterer Hinweise und Vorschläge von der Basis.
Es ist sicherlich ein ehrgeiziges Vorhaben, diese Forderungen unverzüglich umzusetzen. Die meisten Teilnehmer sahen darin jedoch die notwendige Bedingung dafür, dass nach innen neues Vertrauen entstehen und man nach außen mit neuem Selbstbewusstsein auftreten kann. Für mich sind dies die Eckpunkte der notwendigen, umfassenden Reformen bei UNICEF Deutschland.
Deshalb sollte der Vorstand umgehend mit der Umsetzung dieses Zehn-Punkte-Programms beginnen. Er müsste ohne Verzug seine eigentlichen Aufgaben wahrnehmen, neue Strukturen aufbauen und geeignete Mechanismen einführen, die die internen und externen Entscheidungen bei UNICEF so regeln, dass Verstöße bei der Vergabe, Durchführung und Kontrolle von Transaktionen zukünftig ausgeschlossen und ordnungsgemäße Abläufe garantiert sind.
Der Vorstand in seiner jetzigen Zusammensetzung will sich diesen Aufgaben ganz offensichtlich nicht stellen. Unsere Ansichten divergieren in unüberbrückbarer Weise. Von daher ist eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen der Vorsitzenden und dem Vorstand unmöglich geworden.
Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, das Ehrenamt der Vorsitzenden von UNICEF Deutschland niederzulegen.
Ich wünsche allen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von UNICEF Deutschland, dass sie bald wieder mit Freude, Stolz und Erfolg ihre außerordentlich wichtige Arbeit für das Wohl der Kinder dieser Welt fortsetzen können."
Heide Simonis, Frankfurt am Main, 2. Februar 2008

